Vesperkirche Weingarten geht nach 20 Tagen zu Ende
Am Sonntag hat die Vesperkirche Weingarten zum letzten Mal ihre Türen geöffnet. Zwanzig Tage gab es täglich ein warmes Mittagessen, Kaffee und Nachtisch, viel Kultur, Frisör umsonst und unzählige Begegnungen und Gespräche unter den Gästen. Insgesamt wurden seit der Eröffnung am 4. Februar 9261 Essen ausgegeben. Damit kamen wieder mehr Menschen in die Vesperkirche Weingarten als 2023, der damals ersten nach der Corona Pandemie.
Die ehrenamtlichen Fahrer hatten in den vergangenen Wochen jede Menge zu tun – sei es, um das tägliche Essen von der Neuland Küche der Zieglerschen in die Vesperkirche zu transportieren, die vielen Fahrten zu den Bäckereien im Schussental oder das Abholen der Getränke vom Händler. Ohne sie wäre kaum was gegangen. Meist zu dritt pro Fahrzeug, mussten sie Kisten und Körbe schleppen, in die Fahrzeuge verstauen, sicher und zügig durch den Stadtverkehr befördern, um dann alles wieder in die Kirche zu tragen, wo sich immer schon ab 11 Uhr eine große Schlange von Menschen gebildet hatte und auf den Beginn der Essensausgabe warteten. Viel Arbeit, dennoch bleibt eine große Zufriedenheit: „Nach drei Wochen schwinden zwar etwas die Kräfte, aber es war sehr schön“, blickt Bruno Port zurück, der schon seit Jahren in der Organisation und Durchführung des Fahrdienstes für die Vesperkirche mitwirkt.
Dass letztendlich beinahe alles reibungslos ablief, lag auch am Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich dieses Jahr wieder zahlreich zum Einsatz in der Vesperkirche gemeldet hatten. Knapp 400 waren es dieses Jahr. Jeden Vormittag um 10.30 Uhr fand für rund 40 Ehrenamtliche, die an jedem Vesperkirchen-Tag eingesetzt waren, eine Einführung statt: was gab es Neues, wie läuft’s gerade und weiß auch jeder und jede, wo der eingeteilte Arbeitsplatz in der Kirche ist. Die morgendlichen Zusammenkünfte waren auch wichtig, um sich für jeden Tag als Team zusammenzufinden. „Das stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das wirkte sich in der Folge auch positiv auf unsere Gäste aus“, sagte Mitorganisator und Vesperkirchen-Urgestein Gerd Gunßer. Die Ehrenamtlichen haben dafür gesorgt, dass insgesamt 9261 Essen und damit 463 täglich ausgegeben wurden. Das sind insgesamt 1574 Essensportionen mehr wie bei der letzten Weingartener Vesperkirche 2023.
Aber auch sonst haben viele Menschen am Erfolg der diesjährigen Vesperkirche mitgewirkt. So auch die Künstler, die zu Gunsten der Vesperkirche auf ihre Gage verzichteten. Zum ersten Mal war die Band Kissn‘ Kills mit dabei und überzeugte mit einem kraftvollen wie lebendigen Auftritt in der Stadtkirche. Deren Fazit viel dann auch positiv aus. „Es hat uns sehr gut gefallen und wir wünschen euch weiterhin tolle Vesperkirchen. Ich finde, das ist ein ganz tolles Projekt“, sagte Bandmitglied Ralph Rundel. Schon gefühlt immer dabei war das Oberschwäbische Kammerorchester. Dirigent Marcus Hartmann und sein Orchester fühlen sich seit ihrem ersten Auftritt 2014 in Ravensburg der Vesperkirche im Schussental sehr verbunden. „Ich hoffe, wir konnten ein gutes Ergebnis bescheren. Wir machen das sehr gerne für die Vesperkirche“, sagte Hartmann. In all den Jahren kamen so viele tausend Euro Spenden zusammen, um die Vesperkirche mitzufinanzieren.
In ganz besonderer Weise hat sich der diesjährige Schirmherr der Vesperkirche Weingarten, Ahmet Yardimci, eingebracht. Als erster Schirmherr mit Migrationshintergrund und muslimischen Glaubens steht er ganz besonders für das Verbindende in der Vesperkirche. „Wir teilen unsere Zeit und unser Gehör mit Fremden und Freunden“, begründete er sein Engagement. Die Vesperkirche schaffe Anknüpfungspunkte zwischen Menschen, die sonst schwer zu vermitteln seien. „Mein Ziel war es, alle Menschen einzuladen, dieser Offenheit beizuwohnen.“ Seine täglichen Besuche in der Vesperkirche drückten diese hohe Motivation aus, mit der er – auch durch seine Prominenz in der Stadtgesellschaft – wirkte und half. Ahmet Yardimci ist weit über das Schussental für seine Käfer-Kunst bekannt und wurde dieses Jahr mit der Bürgermedaille der Stadt Weingarten ausgezeichnet.
Was bleibt? Für die drei Organisatoren Harald Dubyk, Gerd Gunßer und Ralf Brennecke ist nach der Vesperkirche stets auch die Zeit vor der nächsten Vesperkirche, die dann wieder in Ravensburg stattfinden wird. In den kommenden Wochen reflektieren die drei gemeinsam mit ihrem Organisationsteam die zurückliegende Vesperkirche, um auch 2026 und in den Jahren darauf wieder eine gut funktionierende und Begegnung stiftende Vesperkirche den Menschen im Schussental anbieten zu können. Und ob das Geld aus Spenden in diesem Jahr gereicht hat, werden die Buchungen von Einnahmen und Ausgaben in den kommenden Wochen zeigen.
Die Vesperkirche Weingarten wird seit 2009 als reines Spendenprojekt gemeinsam von Diakonischem Werk Oberschwaben-Allgäu-Bodensee und der Johannes-Ziegler-Stiftung aus Wilhelmsdorf organisiert.
Wer die Vesperkirche finanziell unterstützen möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung tun:
Evangelische Bank eG | Konto 555 444 | BLZ 520 604 10 | BIC/SWIFT genodeflek1 | IBAN DE26 5206 0410 0000 5554 44 | Stichwort Vesperkirche Weingarten.
Mehr Informationen zur Vesperkirche gibt es unter www.vesperkirche-weingarten.de. oder auf Instagram unter vesperkirche.weingarten
Schirmherr Ahmet Yardimci (rechts) im Gespräch mit Pfarrer Stefan Günzler von der gastgebenden Kirchengemeinde.
Am Sonntag ging die Vesperkirche in Weingarten zu Ende. Über 9261 Essen wurden an zwanzig Tagen ausgegeben.